
TF, 24.06.2026, 6B_910/2025, 6B_915/2025
Faits
Le 14 août 2023, A.________ a pris le volant de son véhicule en état d'ébriété avancée, son taux d'alcoolémie étant estimé entre 2,08 et 2,88 pour mille. Sur un tronçon limité à 60 km/h, il a entrepris une manœuvre de dépassement risquée de trois véhicules, atteignant des vitesses comprises entre 80 et 133 km/h. Après avoir failli perdre le contrôle, il a heurté un trottoir en béton avec sa roue avant droite et a définitivement perdu la maîtrise de son véhicule. Il a ensuite parcouru environ 73,5 mètres, en partie sur le bas-côté herbeux, avant de percuter par l'arrière le cycliste E.B.________, qui circulait correctement sur la piste cyclable. La victime a succombé à ses blessures deux jours plus tard. (let. B.b)
En première instance, le tribunal pénal a condamné A.________ pour meurtre (art. 111 CP) à une peine privative de liberté de six ans et demi, a ordonné son expulsion du territoire pour 10 ans et l'a condamné à verser 50 000 francs à chacun des proches de la victime à titre de réparation morale. (let. A)
Sur appel de A.________, la cour d'appel cantonale a modifié ce jugement. Elle a requalifié les faits en homicide par négligence (art. 117 CP), a réduit la peine privative de liberté à trois ans (dont 18 mois avec sursis), a renoncé à l'expulsion et a réduit les indemnités pour tort moral. Tant le ministère public que les proches de la victime (parties plaignantes) ont formé un recours en matière pénale auprès du Tribunal fédéral, demandant l'annulation du jugement cantonal et la confirmation du jugement de première instance, notamment concernant la qualification de meurtre par dol éventuel. (let. B.a, C.a, C.b)
Considérants juridiques
Le Tribunal fédéral rappelle la distinction fondamentale entre le meurtre (art. 111 CP) et l'homicide par négligence (art. 117 CP). Le dol éventuel (art. 12 al. 2 CP) est caractérisé lorsque l'auteur envisage la réalisation du résultat dommageable et l'accepte au cas où il se produirait. À l'inverse, en cas de négligence consciente (art. 12 al. 3 CP), l'auteur perçoit également le risque, mais, par imprudence fautive, escompte que le résultat ne se produira pas. La distinction repose donc sur l'élément volitif (la volonté) de l'auteur. (cons. 4.1)
En l'absence d'aveux, la volonté de l'auteur doit être déduite des circonstances extérieures. Plus la probabilité de réalisation du risque est élevée et plus la violation du devoir de prudence est grave, plus il faut conclure que l'auteur a accepté la possibilité du résultat. La constatation de ce qu'une personne savait, voulait ou acceptait relève des faits, auxquels le Tribunal fédéral est lié, sauf arbitraire. La qualification juridique de ces faits (dol éventuel ou négligence) est en revanche une question de droit que le Tribunal fédéral examine librement. (cons. 4.2, 4.3)
Das Bundesgericht bestätigt seine ständige und restriktive Rechtsprechung zur Annahme von Eventualvorsatz bei Verkehrsunfällen. Die Erfahrung zeigt, dass Fahrzeuglenker dazu neigen, Gefahren zu unterschätzen und ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, was sie oft irrationalerweise glauben lässt, es werde schon zu keinem Unfall kommen. Die Annahme von Eventualvorsatz bleibt daher auf offensichtliche Fälle beschränkt, in denen die gesamten Umstände darauf hindeuten, dass der Lenker die Verletzung des geschützten Rechtsguts bewusst in Kauf genommen hat. (E. 4.4)
In der Praxis wird vorsätzliche Tötung durch Eventualvorsatz nur in extremen Situationen angenommen, etwa bei Verfolgungsjagden oder «Blindüberholmanövern», bei denen der tödliche Ausgang reinem Zufall entspringt, da jede Reaktion unmöglich ist. Resultiert der Unfall hingegen aus einer sehr gefährlichen Fahrweise, war aber technisch nicht unvermeidbar, geht die Rechtsprechung von fahrlässiger Tötung aus. In diesem Fall wird dem Lenker selbst bei rücksichtslosem Verhalten nicht unterstellt, den tödlichen Ausgang in Kauf genommen zu haben. (E. 4.5)
Anwendung auf den vorliegenden Fall
Das Bundesgericht prüft die Argumentation der Vorinstanz, welche den Eventualvorsatz verneint hat. Die kantonale Instanz räumte ein, dass der Beschuldigte mehrfach ein «aberrantes» Verhalten an den Tag gelegt habe: Fahren in qualifiziert angetrunkenem Zustand sowie ein rücksichtsloses und ungerechtfertigtes Überholmanöver bei massiv überhöhter Geschwindigkeit. Sie berücksichtigte jedoch auch subjektive Faktoren: den hohen Alkoholisierungsgrad des Beschuldigten, seine beruflichen Sorgen und sein übersteigertes Vertrauen in das eigene fahrerische Können – Faktoren, die die Vorstellung, er habe einen tödlichen Ausgang in Betracht gezogen und in Kauf genommen, wenig plausibel erscheinen lassen. (E. 4.6)
Entscheidend ist, dass das erstinstanzliche Gericht gestützt auf ein Gutachten festgestellt hat, dass der Unfall nicht unvermeidbar war. Technisch gesehen hätte der Beschuldigte trotz seiner Geschwindigkeit die Kollision mit der Verkehrsinsel vermeiden können; selbst nach dem Anprall an den Randstein hätte er noch bremsen oder die Kontrolle über das Fahrzeug zurückgewinnen können, um den Zusammenstoss mit dem Velofahrer zu verhindern. Die fatale Verkettung war somit nicht die zwangsläufige Folge des Überholmanövers allein. Der Unfall resultierte vielmehr aus einer Reihe unangemessener Reaktionen, verschärft durch den Alkoholpegel und die Tatsache, dass der Täter das Opfer nicht gesehen hatte. (E. 4.6)
Das Bundesgericht bestätigt diese Analyse. Der vorliegende Fall entspricht einer Situation gefährlicher Fahrweise und rücksichtslosen Überholens mit Todesfolge, was gemäss ständiger Rechtsprechung als fahrlässige Tötung (Art. 117 StGB) zu qualifizieren ist. Es handelt sich nicht um ein «Blindüberholen» oder eine Verfolgungsjagd, bei der der Täter den Tod eines Dritten bewusst in Kauf genommen hätte. Da der Unfall nicht unvermeidbar war, kann nicht darauf geschlossen werden, dass der Beschuldigte den tödlichen Ausgang in Kauf genommen hat. (E. 4.7)
Das Bundesgericht weist die Argumente der Beschwerdeführer ab. Die Behauptung, die Kollision sei «unvermeidbar» gewesen, widerspricht den von der Vorinstanz festgestellten Tatsachen. Ebenso wird die Kritik an der restriktiven Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht zugelassen, da diese bereits mehrfach bestätigt wurde. Obwohl das Manöver ein schweres Unfallrisiko schuf (was die Verurteilung wegen Raserdelikts gemässArt. 90 Abs. 3 SVGrechtfertigt), implizierte es nicht zwingend den Tod eines nicht sichtbaren Velofahrers, der sich mehrere hundert Meter entfernt befand. (E. 4.8.1, 4.8.2)
Folglich hat das erstinstanzliche Gericht kein Bundesrecht verletzt, indem es den Sachverhalt als fahrlässige Tötung neu qualifizierte. Die Anträge der Beschwerdeführer bezüglich Strafmass, Landesverweisung und Genugtuung, die ausschliesslich auf der Qualifikation als vorsätzliche Tötung beruhten, werden damit gegenstandslos. (E. 4.9, 5)
Ergebnis
Das Bundesgericht weist die Beschwerden der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerschaft ab. Das Urteil der Vorinstanz wird bestätigt. Die Verurteilung von A.________ wegen fahrlässiger Tötung bleibt bestehen. (E. 2, 6)