Legal Tech
ChatGPT vs. Silex: Welche KI eignet sich besser für die juristische Recherche in der Schweiz?

Künstliche Intelligenz wird von Juristinnen und Juristen zunehmend genutzt, um Zeit zu sparen und die Produktivität zu steigern. Tools wie ChatGPT ermöglichen es, Texte zu erstellen, Dokumente zusammenzufassen und juristische Themen innerhalb von Sekunden zu erkunden. Wenn es jedoch um juristische Recherche geht, sind Genauigkeit, zuverlässige Quellen und spezifisches Fachwissen zur jeweiligen Rechtsordnung entscheidend.
Das gilt insbesondere für das Schweizer Recht, dessen Gesetzgebung und Rechtsprechung komplex und mehrsprachig sind. Allgemeine KI-Tools können zwar hilfreich sein, wurden jedoch nicht speziell für juristische Argumentation oder schweizerische Rechtsquellen entwickelt.
In diesem Artikel vergleichen wir ChatGPT mit Silex, einer speziell für das Schweizer Recht entwickelten Legal AI, um herauszufinden, welches Tool sich besser für die juristische Recherche eignet.
Vergleich von ChatGPT und Silex für die juristische Recherche
Obwohl sowohl ChatGPT als auch Silex künstliche Intelligenz nutzen, um Fragen zu beantworten, wurden sie für sehr unterschiedliche Zwecke entwickelt. ChatGPT ist ein universeller KI-Assistent, während Silex eine spezialisierte Legal AI für das Schweizer Recht ist. Dieser grundlegende Unterschied beeinflusst, wie gut sich jedes Tool für juristische Recherchen eignet.
Funktion | ChatGPT | Silex |
|---|---|---|
Zweck | Allgemeine KI für das Verfassen von Texten, Brainstorming, Zusammenfassungen und die Beantwortung verschiedenster Fragen. | KI speziell für Juristinnen, Juristen und juristische Recherchen im Schweizer Recht entwickelt. |
Quellen | Trainiert auf grossen Mengen allgemeiner Internetdaten und ohne systematische Referenzierung juristischer Datenbanken. | Basiert auf schweizerischen Rechtsquellen, einschliesslich Gesetzgebung und Rechtsprechung. |
Zuverlässigkeit | Kann sogenannte Halluzinationen erzeugen, also überzeugend klingende, aber falsche oder erfundene juristische Informationen. | Entwickelt, um Halluzinationen durch strukturierte Rechtsdaten und verifizierte Quellen zu reduzieren. |
Juristische Methodik | Generiert Texte auf Basis sprachlicher Muster und Wahrscheinlichkeiten, nicht auf Grundlage juristischer Argumentation. | Unterstützt juristische Analyse und strukturierte rechtliche Argumentation. |
Vertraulichkeit | Nicht speziell für die strengen Vertraulichkeitsanforderungen juristischer Berufe konzipiert. | Legt Wert auf Datenschutz und Sicherheit mit Hosting in der Schweiz und ohne Training auf Nutzerdaten. |
Zweck
ChatGPT wurde entwickelt, um bei einer Vielzahl von Aufgaben zu helfen, etwa beim Schreiben, Brainstorming, Zusammenfassen von Dokumenten oder Beantworten allgemeiner Fragen. Das Modell wurde mit grossen Mengen öffentlich verfügbarer Daten trainiert und soll in vielen Bereichen flüssige und hilfreiche Antworten liefern.
Silex hingegen wurde speziell für juristische Fachpersonen entwickelt. Die Lösung stammt vom Schweizer Legal-Tech-Unternehmen Ex Nunc Intelligence und konzentriert sich ausschliesslich auf juristische Recherche und rechtliche Argumentation innerhalb des Schweizer Rechtssystems.
Quellen
Einer der wichtigsten Unterschiede liegt in den verwendeten Quellen.
ChatGPT stützt sich auf breit gefächerte Trainingsdaten und verweist nicht systematisch auf spezifische juristische Datenbanken. Dadurch kann es insbesondere bei rechtsordnungsspezifischen Fragen unvollständige oder ungenaue Informationen liefern.
Silex basiert dagegen auf Rechtsquellen des Schweizer Rechts, darunter Gesetzgebung und Rechtsprechung. Die Antworten beruhen auf dokumentierten juristischen Materialien und nicht auf allgemeinem Wissen.
Zuverlässigkeit
Da ChatGPT Antworten auf Grundlage statistischer Sprachmuster generiert, kann es gelegentlich Halluzinationen erzeugen — also überzeugend formulierte Antworten mit falschen oder erfundenen Informationen.
Silex versucht, dieses Risiko zu reduzieren, indem es strukturierte Rechtsdaten und verifizierte juristische Quellen nutzt. Dadurch erhalten Nutzerinnen und Nutzer Informationen, die besser mit professionellen juristischen Standards übereinstimmen.
Vertraulichkeit
Ein weiterer wichtiger Aspekt für juristische Fachpersonen ist die Vertraulichkeit von Daten.
ChatGPT wurde nicht speziell für die strengen Vertraulichkeitsanforderungen juristischer Tätigkeiten entwickelt. Silex hingegen legt besonderen Wert auf Datenschutz und Sicherheit, mit Hosting in der Schweiz sowie einer Richtlinie, Nutzerdaten nicht zum Training der Modelle zu verwenden. Dadurch soll die berufliche Vertraulichkeit besser gewahrt bleiben.
Warum allgemeine KI für juristische Recherchen in der Schweiz an ihre Grenzen stösst
Allgemeine KI-Tools können beim Verfassen von Texten oder bei der Recherche zu allgemeinen Themen hilfreich sein. Juristische Recherche erfordert jedoch ein deutlich höheres Mass an Präzision und Zuverlässigkeit — insbesondere in einer Rechtsordnung wie der Schweiz.
Das Schweizer Recht ist komplex und stark strukturiert. Es umfasst Bundesrecht, kantonale Regelungen und eine umfangreiche Rechtsprechung, die oft in mehreren Sprachen verfasst ist. Juristische Fachpersonen müssen sich auf präzise Quellen, überprüfbare Referenzen und nachvollziehbare rechtliche Argumentation stützen, wenn sie Rechtsfragen beantworten oder Fälle vorbereiten.
Allgemeine KI-Tools wurden nicht speziell dafür entwickelt, mit einem solchen juristischen Umfeld umzugehen. Da sie auf breit angelegten Trainingsdaten statt auf strukturierten Rechtsquellen basieren, können sie Antworten liefern, die überzeugend wirken, aber keine solide juristische Grundlage haben. Teilweise werden sogar Gesetzesartikel oder Gerichtsentscheide genannt, die gar nicht existieren.
Für Anwältinnen, Anwälte, Notariate und Rechtsabteilungen stellt dies ein offensichtliches Risiko dar. Juristische Recherche bedeutet nicht nur, schnell eine Antwort zu erhalten — entscheidend ist auch, die zugrunde liegenden Quellen überprüfen und ihnen vertrauen zu können.
Warum Silex für juristische Recherche entwickelt wurde
Silex wurde speziell entwickelt, um diese Herausforderungen zu lösen. Statt als allgemeiner Chatbot zu fungieren, versteht sich die Plattform als juristischer Rechercheassistent für das Schweizer Rechtssystem.
Die Plattform basiert auf strukturierten juristischen Quellen, darunter Gesetzgebung und Rechtsprechung. Dadurch erhalten Nutzerinnen und Nutzer Antworten, die auf dokumentierten Rechtsmaterialien beruhen. Gleichzeitig orientiert sich die Methodik stärker daran, wie juristische Recherche in der Praxis tatsächlich durchgeführt wird.
Für juristische Fachpersonen bietet dieser Ansatz mehrere Vorteile:
Schnelleren Zugang zu relevanten Gesetzesbestimmungen und Gerichtsentscheiden
Weniger Zeitaufwand für manuelle Recherche
Antworten mit identifizierbaren juristischen Quellen
Einen Workflow, der juristische Argumentation unterstützt
Anstatt Juristinnen und Juristen zu ersetzen, sollen Tools wie Silex ihre Arbeit ergänzen, indem sie juristische Recherche schneller, klarer und zuverlässiger machen.

